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Fragen

Soll ich meine Buchhaltung outsourcen?

Startups sehen sich mit einer Unmenge administrativer Fragen konfrontiert. Darunter fällt auch der Entscheid, ob die Buchhaltung intern oder extern erfolgen soll. Noch vor einiger Zeit konnte man den Jungunternehmern mit gutem Gewissen die externe Lösung empfehlen. Denn Buchhaltungssoftware-Lizenzen waren teuer und die regelmässigen Installationen und Updates nicht für Jedermann fachlich zu bewältigen. Doch die Buchhaltungs-Welt hat sich verändert.

Die Cloud ändert alles

Cloud-Software verändert die Art und Weise, wie wir Startups und KMU arbeiten: Ortsunabhängig, automatisiert und mobil. Was noch in vielen KMU üblich ist, gehört schon bald ins Museum: Softwarelizenzen kaufen und anschliessend auf einer bestimmten Anzahl PC’s im Unternehmen installieren.

Vorteile von Cloud-Software sind u.a. die skalierbare Nutzung, die Reduktion von ICT-Investitionen sowie der Wegfall von Softwarewartung. Zudem schonen die monatlichen Abonnemente die Investitionsbudgets von Startups massiv.

Dynamisches In- und Outsourcing

Dank Cloud-Software kann (und soll) der Entscheid, ob die Buchhaltung intern oder extern erfolgen soll, dynamisch getroffen werden. Was heisst das konkret?

Angenommen du startest dein Unternehmen mit begrenzten finanziellen Mitteln und möchtest die externen Kosten in der Startphase möglichst gering halten, sprich deine eigenen personellen Ressourcen einsetzen. Jetzt brauchst du einen Partner, der dir in einem Buchhaltungs-Crashkurs die wichtigen Geschäftsvorfälle und deren Verbuchung sowie typische Fallstricke bezogen auf dein Business Modell aufzeigt. Dieser Partner sollte für Support und Spezialfragen zur Seite stehen, eine gezielte Quartals-Review durchführen und für die professionelle Erstellung Abschlussarbeiten besorgt sein (Lohnmeldungen, MWST-Umsatzabstimmung, Jahresrechnung, Steuererklärung).

In der nächsten Phase bekommt dein Startup Traktion und du möchtest deine wertvolle Zeit besser bei den Kunden investieren, statt dich mit interner Admin herumzuschlagen. Dies ist oft der Zeitpunkt, bei dem du den sogenannten „Product/Market-Fit“ erlangt hast und dein Unternehmen positiven Cashflow generiert. Du willst deine Buchhaltung mühelos und ohne Veränderung der Rechnungswesenprozesse outsourcen.

In der dritten Phase – es läuft immer besser – stellst du neue Teammitglieder ein. Deine neue Mitarbeiterin für internal Sales und Admin äussert den Wunsch, ihre vorhandenen Kapazitäten für die Verarbeitung der Kreditorenbelege zu nutzen, da sie über Basiskenntnisse verfügt und sich in diesem Bereich betätigen möchte. Du möchtest sie fördern und rufst du deinen Treuhandpartner an, um die Zuständigkeit für den Kreditorenprozess neu zu definieren.

Mit den richtigen Rechnungswesen- und Admin-Prozessen gelingt das dynamische In- und Outsourcing und dein Startup kann sich agil an die Umstände anpassen.

10 Tipps für die Wahl der Buchhaltungssoftware

Mit den folgenden Fragen kannst du Buchhaltungsprogramme auf Herz und Nieren prüfen:

  1. Welche Abläufe sind automatisiert? Ermöglicht die Software einen automatischen Bankabgleich und inwiefern werden Belegdaten automatisch ausgelesen und genutzt?
  2. Übermittelt die Software meine Zahlungen direkt ins E-Banking oder muss ich die Zahlungen über XML/pain im E-Banking importieren oder im E-Banking manuell erfassen?
  3. Steuert die Software den gesamten Prozess von Angebot, Auftrag, Rechnung bis zur Fibu-Verbuchung und Mahnwesen? Oder deckt die Software lediglich einen Teil davon ab?
  4. Ist die Software webbrowser-fähig oder arbeite ich über einen Remote-Dienst wie Citrix oder Desktop Remote?
  5. Kann ich PDF Belege (Rechnungen, Spesenbelege, etc.) zu den Buchungen hinterlegen?
  6. Ist die Software für die Skalierung deines Business vorbereitet, z.B. indem Fremdwährungen und Kostenstellen verarbeitet werden können?
  7. Verfügt die Software über ein tagesaktuelles Dashboard mit den wesentlichen Kennzahlen wie Liquidität, offene Rechnungen, Umsatz etc.?
  8. Kann der Treuhänder auf dieselben Daten zugreifen und wie viel kostet sein Account?
  9. Preis-/Leistung: Wie sieht das Mietmodell aus und wie die Kündigungsfristen? Wie ist die Benutzerfreundlichkeit? Wie gefällt mir das Design? Ist der Support kostenpflichtig?
  10. Wie oft werden Backups gemacht, an welchem Standort befindet sich das Rechenzentrum und wer haftet im Schadenfall (Datenverlust)?

Weitere Infos erhältst du bei unserem Partner leanrun ag.

Was erwartet mich als Gründer?

Wenn du ein Unternehmen gründen willst, findest du bei der Suche nach Unterstützung etliche Startup-Coaches, Internet-Plattformen und relevante Literatur. Du lernst die grundlegenden Startup-Konzepte wie das Validated Learning, das Minimum Viable Product und die Business Model Canvas. Mit ein wenig Recherche und gesundem Menschenverstand realisierst du die Sinnlosigkeit der Erstellung eines Business Plans und investiert deine Ressourcen in der Folge intelligent ins nächste MVP-Kundeninterview statt in 5-Jahrespläne. Und dennoch: Abhängig von Land und Statistik scheitern 50% bis 80% aller Startups.

Wir scheinen uns an diese Fakten gewöhnt zu haben. Startup-Plattformen, Banken, Treuhänder und Wirtschaftsförderungen werben um Jungunternehmer, als gäbe es kein Morgen. Klar, wenn nur 2 von 10 Startups überleben, braucht es viele Gründer, die oben in den Trichter marschieren, damit später unten genug rauskommen bzw. reüssieren. Und da das Risiko alleine beim Jungunternehmer liegt und er auch im Fall eines Misserfolgs sein Gründungskapital in die Dienstleistungen der Startup-Industrie investiert, können sich irgendwie alle mit dieser Situation anfreunden. Bis auf die Jungunternehmer versteht sich.

Startup Scheinwelt

Die Startup-Industrie suggeriert uns ein Bild vom Unternehmertum, das schöner nicht sein könnte: Collaboration, Teamwork, Startup-Groove. So präsentieren uns die Coaches, Rechtsanwälte, Treuhänder, Banken und Versicherungen die Startup-Welt und motivieren uns Gründer lautstark zum Schritt in die Selbständigkeit.

So sieht man dann beispielsweise Buswerbung mit der Überschrift „Werde dein eigener Chef“, auf der eine smarte Jungunternehmerin vom Plakat strahlt. Man kann die Frage stellen, wer denn wirklich Werbung braucht, um den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Wen will man damit erreichen? Diejenigen, die sich nicht sicher sind? Die nicht überzeugt sind, dass sie ihrer Zielgruppe einen grossen Nutzen schaffen und diesen monetarisieren können? Wenn langfristig nur ca. 2-3 von 10 Startups reüssieren, wer wird dann wohl zu dieser Gruppe gehören? Welche Unternehmertypen werden es schaffen? Nein, diese Typen brauchen keine Buswerbung.

Startup Realität

Was viele Player der Startup-Industrie nicht verstanden haben: Viele Gründer gehen „All-In“. Einige nehmen finanzielle Mittel von Familie und Freunden auf, andere zapfen ihre Ersparnisse oder sogar die Vorsorge an (z.B. BVG-Kapitalbezug bei selbständiger Erwerbstätigkeit). Das Resultat ist bekannt: Die meisten scheitern. Bedeutet: Der Preis der Gründer ist verdammt hoch, und der Weg zurück ist hart.

Dass uns Gründern die Startup-Welt durch die Rosa-Brille gezeigt wird, hat auch damit zu tun, dass viele „Startup-Berater“ selbst noch nie ein Unternehmen von Null aufgebaut haben. Jungunternehmer sein bedeutet in erster Linie, seine Komfortzone zu verlassen. Mit allen Konsequenzen. Dies führt zu harter Arbeit, stetigen Sorgen und finanziellem Druck.

Was wir Gründer brauchen

Jungunternehmer brauchen keine Schulterklopfer. Sie brauchen auch keine (scheinbar) kostenlosen Gründungsangebote, die wir ohne zu zögern innerhalb von 24 Stunden beanspruchen können. Was Jungunternehmer vielmehr brauchen, ist ehrliches Feedback über ihr Vorhaben und die Realität, die sie erwartet. Von Coaches, die lieber ein Mandat – sei es für Gründung, Buchhaltung, Rechtsberatung, etc. – sausen lassen, als einen Jungunternehmer, der noch nicht bereit ist, in die Selbständigkeit zu ziehen.

Startup Coaching – von Startups für Startups

Startups benötigen ihr Gründungskapital, um möglichst oft die Annahmen ihres Business Modells iterativ testen und anpassen zu können. Berater, Anwälte und Treuhänder müssen ihre eigenen Revenue Streams überdenken, wenn es das Ziel ist, die hohe Misserfolgsquote zu senken.

Soll ich Gründungskapital ins Corporate Design investieren?

Jungunternehmer fühlen sich oft überwältigt von all den Entscheidungen vor, während und nach der Gründung. Dies betrifft auch den Einsatz des Startkapitals. Investitionsentscheide – nachfolgend am Beispiel Corporate Design aufgezeigt – müssen deshalb zwingend in den richtigen Kontext gesetzt und kritisch beurteilt werden.

Startups müssen möglichst schnell ihr Business Modell und die darin liegenden Annahmen validieren. Wenn sie scheitern, haben sie es nicht geschafft, innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeit den Product/Market-Fit zu erreichen. Ihr Kapital hat also nicht ausgereicht, um genügende Iterationen der Build-Measure-Learn-Feedbackschlaufe zu durchlaufen, um das Business Modell durch Kurskorrekturen, sogenannte Pivots, derart zu modifizieren, dass eine ausreichende Anzahl von Kunden positiv auf das Produkt- und Dienstleistungsangebot reagiert und sich der geschaffene Nutzen monetarisieren lässt.

Der richtige Mindset für Investitionsentscheide bei Startups

50% aller Schweizer Startups scheitern in den ersten 5 Jahren und weitere 20-30% vermögen langfristig nicht zu reüssieren. Und diejenigen, die überleben, ändern oft mehrfach ihr Geschäftsmodell. Durch diese Pivots ändern Startups systematisch ihre Elemente des Business Modells, wie beispielsweise das Kundensegment, die Auswahl der Features oder selbst das zu lösende Problem. In dieser Situation wissen Gründer nur eines: Dass ihr Geschäftsmodell auf unbestätigten Annahmen basiert und dass sie diese Hypothesen schleunigst validieren sollten.

In diesem Zusammenhang birgt jede Investition das Risiko, dass die Gründer durch den Verbrauch des Startkapitals nicht mehr genügend oft pivotieren, sprich ihr Geschäftsmodell anpassen können.

Die Relevanz von Corporate Design für Startups

Die Chance, dass ein Startup Kurskorrekturen in Bezug auf das Business Modell einleiten muss, ist sehr gross. Wie will man also beim Start wissen, wie das Corporate Design, die Marke und Bildwelt, ja selbst der Firmenname konzipiert werden muss? Die Antwort lautet: Man weiss es nicht.

Unser Anspruch als Gründer an das Corporate Design ist deshalb nicht vergleichbar mit demjenigen von etablierten Unternehmen. Was wir suchen ist eine Qualität des Corporate Designs, die Glaubwürdigkeit ausstrahlt und keine Türen verschliesst. Mehr nicht. Wir müssen mit geringstmöglichem Einsatz unserer finanziellen Mittel diese Qualität entwickeln. Ein Unternehmensauftritt also, der keinen Grund liefert, dass Kunden nicht interviewt bzw. gepitcht und das Business Modell nicht validiert werden könnte.

Marke und Corporate Design nach dem Product-Market-Fit

Sobald ein Startup Product/Market-Fit erreicht hat, sieht die Sache anders aus. Das Geschäftsmodell ist validiert, generiert Kunden und wirft positiven Cash Flow ab. Es liegt ein Rohdiamant vor, der nun durch professionelle Marken- und Kommunikations-Agenturen geschliffen werden kann. Diese externe Sicht kann zu diesem Zeitpunkt sehr befruchten und eine zentrale Aufgabe der Unternehmensentwicklung in den Mittelpunkt rücken: Vereinfachung durch Fokus und Klarheit.

Dass die professionelle Entwicklung des Corporate Designs erst nach dem Product/Market-Fit ein Thema sein sollte, hat auch damit zu tun, dass die Skalierung der Geschäftsidee, eingehend mit der Erweiterung des Teams, oftmals erst zu diesem Zeitpunkt erfolgt. Sich seiner Wurzeln, Botschaft und des Grundmotivs (Why) klar zu sein, ist gleichwohl essentiell für den Erfolg im Verkauf wie für die Rekrutierung von Mitarbeitern.

Go out of the building

Beispiele wie Groupon, AirBnB oder Instagram verdeutlichen, dass sich Startups in den ersten Jahren – bevor sie Product/Market-Fit erreichen – kontinuierlich in ihren Grundzügen verändern. Damit ändern sich auch die Grundlagen, auf denen professionelle Markenentwicklung basiert.

Die Auseinandersetzung mit dem Corporate Design ist in diesem Kontext eine von unzähligen Ablenkungen in der Startphase. Die Gründer verfallen dem Trugschluss des perfekten Businessplans und investieren ihre personellen und finanziellen Ressourcen in eine „Scheinrealität“, währenddessen ihr Geschäftsmodell immer noch auf Sand gebaut, sprich nicht validiert ist.

Ressourcen fürs Corporate Design vor Product/Market-Fit

Nachfolgend geben wir dir einige Ressourcen bekannt, die deinem Startup-Unternehmen ermöglichen, mit geringen Mitteln ein „Good Enough“-Corporate Design zu entwickeln:

  • Creative Market – Design Ressourcen für Logo und Corporate Design
  • Envato Market – WordPress Themes und Design Ressourcen
  • 99 Designs – Logoentwicklung
  • PEAK1.ch – Einfache Onepager Webseiten für Startups und KMU (übrigens ein Schweizer Startup)

Selbstverständlich stehen wir dir auch persönlich mit Rat und Tat zur Seite. So kannst du unseren kostenlosen Startup-Coaching Service nutzen und dein Meeting buchen. Hier geht’s zur Online-Buchung

 

Weshalb scheitern Startups?

Abhängig von Land und Statistik scheitern zwischen 50% bis 80% aller Startups. Doch woran liegt es eigentlich, dass so viele Jungunternehmer auf lange Sicht nicht reüssieren? Im nachfolgenden Artikel versuche ich Antworten zu liefern, basierend auf meinen Erfahrungen mit Gründern und ihren Unternehmen.

1. Fehlende Validierung

Häufig entwickeln Jungunternehmer Lösungen für Probleme, das keine sind. Der Grund dafür: Die gängige Meinung ist immer noch, dass man eine Geschäftsidee am besten für sich behält und nur ein paar enge Bekannte involviert (nicht, dass jemand die Idee kopiert). Man holt sich ein paar Meinungen ab („Hey das wäre aber cool wenn es das geben würde“) und beginnt hinter verschlossenen Türen mit der Umsetzung.

Ausgehend von der Geschäftsidee und dem Business Modell investieren Jungunternehmer folglich ihre personellen und finanziellen Ressourcen in ihre Lösung. Vielfach um danach festzustellen, dass ihr Produkt nicht genügend nachgefragt wird. Oder anders ausgedrückt: Der Nutzen, der ihre Lösung bietet, ist nicht genug gross, um ihn „monetarisieren“ zu können. Heisst: Der Kunde ist nicht bereit, dafür Geld auszugeben.

Die Lean Startup Methode und das Minimum Viable Product (MVP) geben Gründern eine Methode zur Validierung von Geschäftsmodellen an die Hand. Da jedes Business Modell zu Beginn auf Annahmen basiert, gilt es diese Hypothesen mittels MVP’s zu validieren. Dank diesem Vorgehen verschwendet der Unternehmer weniger Ressourcen und kann rechtzeitig Kurskorrekturen einleiten, die sein Business Modell näher an einen Product-Market-Fit bringen.

2. Falscher Einsatz des Startkapitals

Gründer beschäftigen sich mit der „Firma“ (also dem Namen des Unternehmens) und dem Corporate Design, insbesondere mit dem Logo und der Website. Doch: Wer sich in der Startphase eines Unternehmens zu stark mit Themen wie dem Corporate Design beschäftigt, verschwendet unnötig Ressourcen und folgt einem Mindset, der in die Sackgasse führen kann.

Startups müssen möglichst schnell ihr Business Modell und die darin liegenden Annahmen validieren. Sie müssen verstehen, dass sie zu Beginn lediglich Annahmen vorweisen können (Value Hypothesis, Growth Hypothesis, etc.). Sie müssen bereit sein für Kurskorrekturen, die das Kundensegment, die Lösung, ja das gesamte Business Modell in den Grundzügen verändern.

Wie will man also als Startup wissen, wie der Brand konzipiert werden muss? Die Antwort lautet: Man weiss es nicht. Deshalb sollten Jungunternehmer mit ihrem Gründungskapital sorgfältig umgehen und ihr Corporate Designs (Logo, Website, Visitenkarten, Briefpapier, etc.) mit geringen Mitteln auf eine „Gut Genug“- bzw. „Es gibt keinen Grund mit diesem Corporate Design keine Kunden zu pitchen“-Qualität zu bringen. Sobald dann der „Product-Market-Fit“ erreicht und das Business Modell validiert ist, sieht die Sache anders aus. Doch dann weiss der Gründer auch, mit welchen Kunden und welchem Produkt er es zu tun hat (beide sind in der Validierungsphase noch völlig offen, Vgl. Instagram, etc.).

3. Geschäftsmodelle ohne Sinn und Leidenschaft

Ich sehe immer wieder dasselbe Muster: Clevere und rastlose Menschen, die ihre Augen und Ohren für Geschäftsideen weit offen halten. Fragen wie „Was gibt es noch nicht?“, „Wo liegt ein Problem vor, das man lösen könnte?“ oder „Wo liegt Geld auf der Strasse?“ kreisen tagtäglich in ihren Köpfen. Sie halten Ausschau nach ungelösten Problemen und versuchen daraus Geschäftsideen (in der ersten Phase: Problem-Solution-Fit) abzuleiten. Auf diese Weise „stolpern“ viele Jungunternehmer über eine Geschäftsidee, die mit ihrer Person, ihren Neigungen, Talenten und Interessen zu wenig zu tun hat.

Unsere Aufgabe als Gründer liegt also nicht nur darin, ein technisch einwandfreies und tragfähiges Business Modell zu entwickeln, sondern dieses in dem für uns richtigen Kontext zu tun. Wie man diesen Kontext ermittelt, darauf gehe ich in meinem nächsten Artikel näher ein.

Die Hausaufgaben machen

Bücher wie „The Lean Startup“, „Business Model Generation“ und „Start with Why“ zeigen unerlässliche Konzepte und sind Pflichtlektüre für Jungunternehmer. Wer diese Konzepte nicht kennt, geht mit seinem Fahrzeug auf die Strasse, ohne zu wissen, was „grün“, „gelb“ und „rot“ an der Ampel bedeuten.

Obwohl ich wärmstens empfehle, diese Bücher in vollem Umfang durchzulesen, kann ich verstehen, wenn Gründer einen schnelleren Weg suchen, statt sich durch Lektüre von der Umsetzung ihrer Träume „aufzuhalten“. Glücklicherweise können diese Konzepte auch in komprimierter Form vermittelt werden. Unsere Kollegen von getabstract.com haben uns diese drei Buchzusammenfassungen für Jungunternehmer zugänglich gemacht:

Viel Spass beim Lesen!

Soll ich einen Business Plan schreiben?

Die meisten Startups scheitern, weil sie systematisch falsch vorgehen. Die Gründer verfallen dabei dem Trugschluss des perfekten Business Plans. Und sie vertrauen der im Schulbuch gepredigten Erfolgsformel:  1) Entwickle eine Geschäftsidee, 2) schreib einen Business Plan, 3) pitche Kapitalgeber, 4) baue die Firma und das Produkt, 5) verkaufe und skaliere.

“Business Plans rarely survive first contact with customers“
Steve Blank, Stanford Professor and Startup Investor

Der Business Plan ist ein statisches Dokument, am Pult geschrieben, lange bevor das Produkt überhaupt gebaut wird. Er beinhaltet üblicherweise einen 5-Jahresplan und zeigt auf, wie gross die Marktchancen sind, welche Probleme die Zielgruppe hat, und mit welchen Lösungen die Entrepreneure Umsatz generieren wollen.

Planung und Prognose erhalten hierbei einen grossen Stellenwert. Doch beide sind nur dann von Nutzen, wenn  sie auf Erfahrungswerten und einer statischen Umgebung basieren: Nur, Startups fehlt beides, sie agieren in einem Umfeld extremer Unsicherheit.

Dies führt zu der traurigen Realität für Jungunternehmer: Abhängig von Land und Statistik scheitern 50% bis 90% aller Startups. Grund genug, die Jahrzehnte alten Business-Regeln zu hinterfragen.

Die Lean Startup Methode

Startups funktionieren anders als etablierte Unternehmen. Ihr Ziel ist es nicht, einen Geschäftsplan umzusetzen. Ihr Ziel ist es, ein tragfähiges Business Modell aufzubauen. Statt sich monatelang mit Recherche und Planung zu beschäftigen, müssen die Gründer akzeptieren, dass sie zu Beginn nichts als eine Vielzahl ungetesteter Hypothesen, sprich Vermutungen, aufweisen können.

Die Lean Startup Methode unterscheidet sich grundlegend vom oben genannten Business School Ansatz. Lean Startups wollen schnell und mit geringster Verschwendung von Ressourcen (Zeit, Kapital, etc.) prüfen, ob ihre Geschäftsidee ein nachhaltiges Business Model ermöglicht. Sprich ob ein “Product-Market-Fit” erlangt werden kann. Kernelemente von Lean Startup sind das “validierte Lernen” und die “Bauen-Testen-Lernen”-Feedbackschlaufe sowie die sogenannten “MVP’s”, die Minimum Viable Products.

Wenn du die Erfolgschancen deines Startups massiv erhöhen willst, dann orientiere dein Vorhaben an der Lean Startup Methode. Vereinfacht ausgedrückt, ist das Vorgehen wie folgt:

1. Skizziere deine Geschäftsidee

Beschreibe dein Business Modell mit den relevanten Elementen wie Zielgruppe, Problem, Lösung, Nutzenversprechen. Am besten mit der Business Model Canvas (lese hierzu die getabstract-Zusammenfassung Business Model Generation). Die Canvas ist ein Template und Tool für die einfache Entwicklung und Visualisierung von Geschäftsmodellen.

2. Identifiziere deine Hypothesen

Deine Geschäftsidee basiert auf verschiedenen, nicht validierten Annahmen. Diese “Assumptions” können z.B. den Nutzen betreffen: “Die Zielgruppe hat das Problem X und wir können mit unserer Lösung Nutzen generieren”, oder “die Zielgruppe ist bereit, Geld auszugeben zur Lösung dieses Problems” (Value Hypothesis). Weitere Hypothesen betreffen üblicherweise die Wachstumschancen der Geschäftsidee (Growth Hypothesis).

3. Validiertes Lernen mit Minimum Viable Products

Um die Annahmen zu testen bzw. zu validieren, entwickelt das Unternehmen nun MVP’s, also minimal funktionsfähige Prototypen, mit denen das Gründerteam einem Testkunden, einem sogenannten “Early Adopter”, die konkrete Geschäftsidee und das Produkt bzw. die Dienstleistung präsentieren kann.

Speziell dabei und anders als das intuitive Vorgehen: Bei der Entwicklung der MVP’s baut man nur diejenigen Funktionen, welche für die Überprüfung der Hypothesen beim Test unbedingt notwendig sind. Eric ries erzählt in seinem Buch „The Lean Startup“ über den Start von Zappos, einem US-amerikanischen Online-Schuhgeschäft. Der Gründer Nick Swinmum ging in seiner Geschäftsidee davon aus, dass Kunden gewillt sind, Schuhe online zu kaufen. Das war seine zentrale Hypothese. Statt eine Internet-Plattform zu entwickeln, Warenlager aufzubauen und seinen Brand zu bewerben, entschied er sich für ein Experiment. Er testete seine Vermutung mit einem MVP.  Er suchte lokale Schuhgeschäfte, die ihm gestatteten, Fotos von ihren Schuhen zu machen. Er stellte diese Fotos auf eine einfache Website und bezahlte dem Schuhgeschäft den vollen Preis, wenn ein Kunde online kaufte. Mit diesem und weiteren MPV’s gelang es Zappos, schnell und mit geringen Ressourcen das Business Modell und die zugrundeliegenden Hypothesen zu testen. Amazon übernahm Zappos im Jahr 2009 für 1.2 Milliarden US-Dollar.

4. Innovation Accounting

Etablierte Unternehmen können unabhängig von Branche und Tätigkeit mit Hilfe von Bilanz, Erfolgs- und Cashflow-Rechnungen gemessen werden. Für Startups in einer frühen Phase der Entwicklung sind diese Standard-Finanzberichte ungeeignet. Startups laufen eine lange Zeit ohne massgebliche Erträge. Der Indikator Umsatz kann in dieser Startphase irreführend sein; man spricht hier von “Fassadenmetrik” (Vanity Metrics).

Gründer und Kapitalgeber konzentrieren sich im Lean Startup Innovation Accounting auf Kennzahlen, welche eine Aussage über das validierte Lernen, die Feedbackschlaufe und das Testen der Hypothesen ermöglichen. Also auf Informationen die zur Feinabstimmung und Produktverbesserung beitragen. Denn je schneller ein Startup die Feedbackschlaufe durchlaufen kann, desto schneller bzw. länger können die Unternehmer notwendige Kurswechsel, die sogenannten Pivots vornehmen, bevor ihnen das Kapital ausgeht.

5. Pivot or Persevere

Die “Bauen-Testen-Lernen”-Feedbackschlaufe findet in der kleinstmöglichen Batchgrösse statt. Sämtliche Funktionen, die nicht unmittelbar für den nächsten Test mit Kunden erforderlich sind, werden weggelassen. Nach jeder Iteration in der Feedbackschlaufe wird anhand der Erkenntnisse aus dem Innovation Accounting entschieden, ob der Kurs gewechselt werden muss (Pivot) oder beibehalten werden kann (Persevere).

“The only way to win is to learn faster than anyone else“
Eric Ries
Go out of the building

Verliere keine Zeit mit dem Verfassen eines Business Plans. Werde dir über deine Assumptions bewusst und entwickle ein MVP zur Validierung deiner Idee.